Meine Reise nach Belgien

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Ich habe es wirklich durchgezogen! Dachzelt aufs Auto und Abfahrt!

Nun sitze ich alleine, fernab von Zuhause, in meinem Dachzelt und schreibe diesen Blogbeitrag – und es fühlt sich tatsächlich ein wenig komisch an.

Klar freue ich mich sehr über die Möglichkeit, aus meinem kleinen Auto einen kleinen Camper gemacht zu haben und so die große, weite Welt Stück für Stück erkunden zu können und dabei extrem flexibel zu sein.

Auf der anderen Seite bin ich noch nie alleine gereist… weder in Deutschland noch im Ausland. Seit ich aus meinem Elternhaus ausgezogen bin, habe ich nur einen Urlaub gemacht – und dieser war letztes Jahr mit meiner Freundin.

Neben der Freude kommt also auch ein beklemmendes Gefühl auf, denn ich liege auf meinem Auto, irgendwo im Nirgendwo.

Ich habe das Gefühl, dass diese große Freiheit auch Angst mit sich bringt – dass es irgendwie dazugehört, sich Fragen über einen möglichen Ernstfall zu stellen. Meine Gedanken drehen sich um das Thema: „Was wäre wenn…?“. Wer wäre da? Wäre überhaupt jemand schnell genug vor Ort? Wie überwinde ich eine eventuelle Sprachbarriere?

Auch wenn mich diese Fragen etwas quälen, möchte ich betonen, wie schön mein Tag eigentlich war – der erste Tag auf meiner viertägigen Reise.

In den letzten Tagen habe ich mir intensiv Gedanken gemacht, wo die Reise hingeht und auch, wo ich am besten nächtigen kann. Mein Schlafplatz sollte ruhig gelegen, schön, aber auch sicher sein.

Um das besser einschätzen zu können, habe ich die App „Park4Night“ genutzt und mich an Lage, Fotos und Bewertungen anderer Nutzer orientiert.

Ob der Schlafplatz am Ende wirklich der Ort ist, an dem ich mich bedenkenlos zur Ruhe legen kann, zeigt sich leider erst vor Ort.

Das Problem an den Parkplätzen, die ich für die Reise ausgewählt habe, ist: Nicht alle sind für Übernachtungen vorgesehen, sondern eher eine Grauzone – sprich offiziell nicht erlaubt und praktisch „Wildcamping“.

Zuhause noch das Navi eingestellt und losgefahren!

Der erste Stopp auf meiner Reise war La Roche-en-Ardenne, eine kleine Stadt in Belgien.

Der Weg dorthin war eine Qual. Ich glaube, in Belgien ist es noch nicht üblich, flache Autobahnen zu bauen – es ging ständig auf und ab. Von der Autobahn auf kleine Straßen und irgendwann in der Stadt angekommen.

Auch wenn ich bei der Ankunft dachte, im Nichts zu sein, war der Ort doch ziemlich belebt.

Ein kleiner Fluss floss durch die Stadt, eine Brücke in der Fußgängerzone ermöglichte eine super Aussicht auf die oberhalb liegende Burg, und die Fußgängerzone selbst erinnert an eine kleine Altstadt.

Im Fluss waren Kajak- und Kanufahrer unterwegs. Ein besonderes Highlight: die alte Kirche und die Burgruine.

Etwa 90 Minuten habe ich die Stadt genossen, bevor ich mich wieder zurück zum Auto begeben habe – mit einem Rucksack voller Eindrücke und Bilder. Es war auf jeden Fall ein sehr schöner Ort.

Nach der Zeit dort ließ ich mich einfach treiben.

Mir war egal, wo ich schlafe… Hauptsache auf dem Weg nach Brugge.

In Rooiveld, etwa 17 Kilometer von Brugge entfernt, kam ich schließlich zum Stehen, baute mein Dachzelt auf, kochte eine Dose Ravioli und ließ den Abend einfach auf mich zukommen.

Ohne Ziel, ohne Verpflichtung – einfach da sein.

Während ich gegessen habe, verschwand langsam die Sonne hinter dem Horizont und die Dämmerung legte sich über das Dorf.

Ich dachte: Das wird eine grandiose Nacht.

Es hätte eine grandiose Nacht werden können – aber die Betonung liegt auf „hätte“.

Aus mir unerklärlichen Gründen war ich gefühlt alle 10 bis 20 Minuten wach und habe keine Ruhe gefunden. Es war eine dieser Nächte, in denen man sich von links nach rechts dreht und trotzdem nicht schlafen kann.

Dabei habe ich nicht mal Unruhe oder Angst empfunden.

Ich persönlich fand den Schlafplatz echt schön – das habe ich jedenfalls auch so in die Bewertung geschrieben.

Was die Nacht mir aber auf jeden Fall gebracht hat, sind Rückenschmerzen.

Woher diese kommen, kann ich nicht genau sagen. Das Dachzelt hat eigentlich eine gemütliche Matratze und mir war die ganze Zeit warm.

Den Morgen startete ich mit einem Kaffee.

Der Geruch von Kaffee aus dem Perkolator ist für mich der Inbegriff von Camping – einfach mit wenig zufrieden sein und den Moment genießen, so wie er gerade ist. Fraglich, warum ich dieses Gefühl nicht in meinen Alltag integrieren kann.

Nachdem das Zelt zusammengeklappt und das Gepäck im Auto verstaut war, ging die Reise weiter nach De Haan.

Vorbei an kleinen belgischen Dörfern, von denen eines schöner ist als das andere, vorbei an Windmühlen und Feldern.

Und dann war es da: das Meer.

Ich merke es immer bei der Urlaubsplanung – egal wo es hingeht, es muss am Meer sein, am besten noch an der niederländischen Nordsee.

Zwar war es hier „nur“ ein belgischer Strand, aber ein wirklicher Unterschied ist kaum erkennbar.

Wo das Meer ist, fühle ich mich einfach wohl.

Stundenlang könnte ich am Strand stehen und aufs Wasser schauen.

Nach etwa 60 Minuten ging es für mich weiter – am Strand entlang, zumindest gedanklich. Tatsächlich ging es über die Straßen am Damm weiter.

Das nächste Ziel: Breskens.

Wieder ging es durch unzählige kleine Dörfer.

Faszinierend, wie dort oben Stadt und Land ineinander übergehen. Die Fahrt fühlt sich leicht an, und an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen – immer wieder dieser Gedanke: „Wow, ist das schön!“

Über die Landstraßen ging es über die niederländische Grenze nach Breskens.

In diesem Ort war ich in meiner Kindheit oft, und besonders hängen geblieben ist der schwarz-weiß gestrichene Leuchtturm.

Genau den wollte ich wiedersehen.

Auf dem Weg dorthin hatte ich immer wieder das Gefühl, schon einmal hier gewesen zu sein.

Mit meinen Eltern habe ich dort oben früher oft Urlaub gemacht. Seit ich volljährig bin, war ich allerdings nicht mehr dort – trotzdem sind viele Eindrücke geblieben.

Es ist ohne Zweifel eine schöne Region – jedenfalls meiner Meinung nach.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, dort einmal hinzufahren.

Das Wetter war perfekt: etwa 20 Grad und Sonnenschein.

Von Breskens aus konnte ich problemlos bis nach Vlissingen schauen und beobachten, wie langsam die Flut einsetzte.

Doch alles Schöne hat irgendwann ein Ende.

Ein Schlafplatz auf dem Weg nach Hause wartete auf mich – oder auch nicht.

Der Parkplatz lag nur etwa anderthalb Stunden von meiner Heimat entfernt… und genau da kam der Gedanke auf, einfach durchzufahren.

Zum aktuellen Zeitpunkt sitze ich wieder zuhause.

Vor etwa 36 Stunden hat meine Reise begonnen – und eigentlich hätte ich noch Zeit gehabt.

Geplant war Dienstag bis Freitag. Jetzt ist Mittwochabend.

Ich hätte noch fast zwei Tage gehabt.

Und genau da kommen die Gedanken:

Warum bin ich nicht einfach noch geblieben? Habe ich es überhaupt richtig ausgenutzt?

Ich würde sagen: ja.

Ich habe es genossen. Ich war für jeden Moment dankbar – vielleicht war ich einfach schneller als geplant.

Auch wenn ich mir ein bisschen „verschenkte Zeit“ vorwerfen kann, war diese Reise etwas Besonderes: schön, aufregend und auch erholsam.

Vor allem, wenn ich daran denke, dass sie fast gar nicht stattgefunden hätte – erst war schlechtes Wetter gemeldet, dann habe ich zwei Tage vorher meine Drohne im Weiher versenkt.

Trotzdem: Die Reise hat sich gelohnt.

Klar hätte ich die Zeit auch zuhause verbringen können.

Aber ganz ehrlich – was will ich zuhause, wenn draußen ein Abenteuer wartet?

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