Der letzte Beitrag auf dieser Seite ist nun knapp ein halbes Jahr her. Doch die Köpfe hinter der Seite existieren weiterhin – ebenfalls mit neuen Ideen zur Gestaltung dieser Website und zur Gestaltung der Marke „Outdoorpixel.de“!
Ich könnte Ihnen jetzt vorgaukeln, dass wir in den vergangenen sechs Monaten keine Zeit für weitere Projekte hatten, doch das wäre gelogen. Ich würde gerne ehrlich sein und ein neues Thema auf der Seite eröffnen – und ehrlich sagen, warum.
Ich könnte behaupten, dass die letzten Wochen und Monate eine Flaute waren, doch das wäre nicht die ganze Wahrheit. Ich war mit meinen Werken unzufrieden.
Zum Zeitpunkt des Startes dieser Seite wollte ich Ihnen von meiner Reise berichten. Ich wollte, dass meine Werke eine Inspiration für andere sind. Diese Erfahrungen, welche ich bereits teilen durfte, beruhten allerdings auf oberflächlichen Kenntnissen. Nicht nur über die Kamera, sondern auch über die eigenen Sinne.
Um diese Kenntnisse zu bessern, habe ich mir ein Buch gekauft. Mein Ziel war es, meine Kamera zu verstehen – wie ein Musiker sein Instrument. Nicht oberflächlich, sondern tiefgründig. Angefangen habe ich bei der Physik einer Kamera! Den Übungen, welche die Sinne eines Fotografen schärfen!
Und während ich mich da so reingefuchst habe, kam mir irgendwann eine Frage in den Kopf, die ich seitdem nicht mehr loswerde:
Wie echt sind unsere Fotos?
Bevor ich weiter auf das Thema eingehe, möchte ich betonen, dass ich mit diesem Beitrag keine Fotografen persönlich angreifen möchte! Ich persönlich sehe die Fotografie als eine Kunst – jeder hat seine eigene Handschrift und jeder gestaltet sein Werk so, wie es ihm persönlich gefällt. Die eigene Zufriedenheit ist auf dem Weg des Hobbys ein wichtiger Baustein zur weiteren Ausübung! Daher lebe ich nach dem Grundsatz: jeder wie er möchte, jeder wie es einem gefällt! Über Geschmack lässt sich nicht streiten!
Licht… und warum es manchmal einfach nicht reicht
Nachdem ich mich in die Physik der Fotografie eingelesen habe, wurde in dem Buch ebenfalls auf das Thema „analoge Fotografie“ eingegangen. Die Analogfotografie ist ein interessantes Thema, besonders wenn man sich anschaut, dass es diese bereits seit dem 19. Jahrhundert gibt und sie einen wichtigen Grundstein für die heutige Fotografie gesetzt hat.
Genauer möchte ich allerdings nicht auf das Thema eingehen. Vielleicht ist es ein Thema für einen eigenen Blogbeitrag – andererseits habe ich persönlich wenig Ahnung über die Analogfotografie. Daher würde ich gerne zurück zum Thema kommen.
Der wichtigste Bestandteil der Fotografie ist Licht! Ohne Licht – keine Fotografie!
Der Fotograf hat die Möglichkeit, seine Kamera an die jeweilige Lichtsituation anzupassen. In dem Buch, welches ich lesen durfte, wurde der Fotograf als „Herrscher von Licht und Schatten“ beschrieben. Meines Wissens lässt sich Licht außerhalb der Studiofotografie nur schwer beziehungsweise überhaupt nicht vollständig kontrollieren. Es gibt zu viele unvorhersehbare Dinge, welche eine Lichtsituation beeinflussen.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen im perfekten Licht vor einer Landschaft. Die Landschaft strahlt, oder die Sonne verschwindet gerade hinter dem Horizont. Und dann reicht eine einzige Wolke und zack – dem Fotografen wird ein schöner Strich durch die Rechnung gemacht. Auch ein Schatten, welcher von einem Gebäude abgeworfen wird, kann einem das Bild vermiesen.
Dann gibt es noch die technischen Schwierigkeiten. Die Belichtung an einer Kamera wird über das sogenannte Belichtungsdreieck geregelt: Blende, Verschlusszeit und ISO. Und ja, es gibt genug Situationen, bei denen sich eine Kamera nicht nach den Wünschen des Fotografen einstellen lässt. Nicht, weil die Kamera das nicht will oder nicht kann – sondern weil es technisch und physikalisch einfach nicht möglich ist.
Ich hatte kürzlich einen Auftrag. Bei diesem sollte ich eine Veranstaltung festhalten. Draußen war es bereits dunkel und die Halle, in welcher die Veranstaltung stattfand, wurde für die Besucher in ein nettes Ambiente verwandelt. Ein Ambiente aus strategisch platzierten Lampen, welche im Rhythmus die Farben wechselten. Alle Farben – nur nicht weiß!
Die Mitglieder der Veranstaltung wollten dazu feiern und nicht stillstehen. Sprich: Ich brauchte eine kurze Belichtungszeit, damit die Personen auf den Bildern nicht unscharf werden. Dazu wurde ein Hintergrund mit Fahnen der Firma errichtet. Es wäre bestimmt schade, wenn dieser nicht auf den Fotos zur Geltung kommen würde.
Das heißt also: Blende nicht komplett aufreißen, sonst verschwimmt der Hintergrund und die Fahnen sehen aus wie Matsch. Eine Technik, welche gerne in der Porträtfotografie eingesetzt wird – aber in meinem Fall nicht so gerne gesehen wird.
Eine (halb) geschlossene Blende sorgt allerdings dafür, dass weniger Licht auf den Sensor fällt. Und in der Situation war ohnehin schon zu wenig Licht. Was dann noch bleibt, ist der ISO-Wert.
Der Sensor der Kamera sammelt Licht – Photonen werden zu Elektronen und quasi zum Signal. Der ISO-Wert sorgt dabei nicht für „mehr Licht“. Er verstärkt eher das Signal, macht das Bild heller – und das führt dazu, dass Bildrauschen stärker sichtbar wird. Je höher der ISO-Wert, desto höher das Rauschen. Und dieses Rauschen sieht irgendwann nicht mehr nach „Filmlook“ aus, sondern einfach nur nach „Papierkorb“.
Wenn wir das jetzt auf meine Situation projizieren, stellte sich das Ganze als ein großes Problem dar. Ein Problem, welches sich in keiner Form lösen lässt. Und plötzlich merkst du: Egal was du drehst – irgendwo verlierst du immer.
Ich hatte großes Glück, dass ich kein Geld für meine Aufträge nehme und es auf freiwilliger Basis anbiete. Somit war es nicht so schlimm, dass ich ehrlich sein musste, dass die Bilder nichts geworden sind. Eine Person auf der Veranstaltung wollte es allerdings nicht ganz annehmen. Sie sagte: „Mein Handy hat es doch auch geschafft.“
Smartphones… schaffen es oft. Aber warum eigentlich?
Ein Smartphone schafft es in vielen Situationen! Aber hat es noch etwas mit der klassischen Fotografie zu tun? Würde ich jetzt am Tisch mit anderen Fotografen sitzen, würde ich mit dem Thema eine große Diskussion auslösen.
(Hobby-)Fotografie heißt eben nicht, mit einer Kamera zu fotografieren. Das Wichtigste ist der Spaß! Ungeachtet der technischen Gerätschaften! Das Smartphone, welches bereits 2012 die Tastenhandys ablöste, ist ein Allrounder. Ich würde es sogar als Hybridgerät bezeichnen. Nachrichten schreiben und beantworten, in Social Media scrollen, Tage planen und nebenbei auch Fotos machen – und das sind in der aktuellen Zeit nicht mal schlechte Bilder.
Ich nutze das Smartphone ebenfalls für einige Schnappschüsse. Bei diesen Bildern handelt es sich um schnelle Fotos mit Freunden und Familie – Bilder, bei denen die Bedeutung auf den Personen liegt. Wenn ich jedoch zu einer Tour aufbreche, geht es mir um Details und den Augenblick. Dort kommt die Kamera zum Einsatz.
Doch wie schafft es ein Smartphone mit kleineren Linsen und Sensoren, aus vielen Situationen das Beste rauszuholen – und manchmal fühlt es sich sogar so an, als wäre das Handy die bessere Kamera?
Meine erste Antwort auf diese Frage wäre „künstlich produziertes Licht“ auf dem Sensor gewesen. Mit dieser Antwort hätte ich jedoch komplett am Ziel vorbeigeschossen. Physikalisch kann eine Smartphone-Linse nicht so viel Licht auffangen wie eine Kamera und dennoch ist das Smartphone oft erstaunlich gut in der Nachtfotografie. Oder anders gesagt: in der Fotografie mit wenig Licht.
Es ist nicht das Handy selber. Es ist die Technik dahinter.
Das Smartphone macht mehrere Bilder hintereinander, mit unterschiedlichen Belichtungen, und stackt diese zu einem Bild zusammen. Dadurch kann mehr Bildinformation gesammelt werden und Bildrauschen wird von Frame zu Frame ausgeglichen. Und wenn das nicht reicht, dann kommt zusätzlich noch eine KI oder ein Algorithmus zum Einsatz. Schärfung, Rauschunterdrückung, Texturen – das ist dann nicht mehr „ich drücke ab und fertig“, sondern: „ich drücke ab und das Handy rechnet“.
Unter den Umständen verstehe ich, warum Fotografen die Smartphonefotografie belächeln und behaupten: „Das hat nichts mehr mit Fotografie zu tun!“
Und jetzt kommt das eigentliche Problem…
Das Thema KI ist damit aber noch nicht vom Tisch! Bei vielen Fotografen landet das Bild von der Speicherkarte der Kamera direkt in der Bildbearbeitung. Und diese arbeitet ebenfalls mit künstlicher Intelligenz!
Klar lassen sich viele Details auch ohne KI verändern. Aber alleine schon der Radierer, mit welchem störende Elemente aus dem Bild entfernt werden können (Pickel, Hautunreinheiten, Menschen oder Objekte im Hintergrund), oder die Rauschunterdrückung: Das ist inzwischen oft KI-gestützt.
Kürzlich habe ich auf Instagram eine Werbung gesehen. Auf dieser wurde eine Fotobearbeitungssoftware beworben, welche aus einfachen Bildern „kinoreife“ Bilder machen soll. Da spielt es überhaupt keine Rolle, welches Bild verwendet wird. Ein Knopfdruck reicht. Und da stellt sich mir erneut die Frage: Hat das noch was mit herkömmlicher Fotografie zu tun? Wo ist der Reiz, gute Bilder machen zu wollen, wenn „schlechte“ ebenfalls zu perfekten werden?!


Für dieses Beispiel habe ich meinen Urlaubsordner durchstöbert und ein Bild herausgesucht. Das Bild hat keine klare Aussage. Es ist meiner Meinung nach uninteressant und absolut nichts Besonderes. Das Bild habe ich dann in Lightroom eingefügt und bearbeitet. Dort fehlt mir ebenfalls die Erfahrung, doch ich habe es geschafft, aus einem langweiligen Bild ein Strandbild mit Sonnenuntergang zu zaubern. Jemand, welcher die Bearbeitung von Fotos gelernt hat, könnte das Bild so bearbeiten, dass Sie nicht sehen können, dass es sich um einen nachträglich hinzugefügten Sonnenuntergang handelt.
Und wenn wir jetzt schon tief im Thema KI sind, möchte ich das Thema einmal komplett ausreizen! Denn die KI kann nicht nur Fotos verändern. Sie kann auch Fotos erstellen.



Das ist jetzt aber komisch! Ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern, irgendwann in meinem Leben in Paris oder in London gewesen zu sein – ungeachtet, dass beide Städte sicherlich eine Reise wert sind. Man gibt beispielsweise ChatGPT den Ausschnitt seines Gesichtes und schon wird ein solches „Meisterwerk“ erstellt. Die KI fragt sogar noch, zu welcher Zeit das Foto gemacht werden soll und welche Kleidung Sie auf dem Bild tragen wollen. Klar sieht man irgendwie noch, dass die Bilder KI-generiert sind – aber wie lange noch?
In meinem Fall habe ich der KI ein Porträt von mir gegeben! Ich erinnere mich noch, was für eine Arbeit das war. An diesem Tag war ich alleine unterwegs und wollte ein Bild von mir vor dem Wasserfall haben. Dort musste ich also mit dem (Fern-)Selbstauslöser arbeiten – nur, dass eingestellte Belichtungswerte nichts mehr wert sind, sobald das Hauptmotiv wechselt. Also stand ich dort, wadentief im Wasser und veränderte jedes Mal die Werte, bis es passte. Die KI schaffte es in unter 30 Sekunden. Wenn Sie wollen, können Sie sogar noch einen Freund hinzufügen! Dieser kann sich bestimmt ebenso wenig wie Sie daran erinnern, mit Ihnen diesen Moment erlebt zu haben. Ob man diese Bilder nun hochladen möchte, muss jeder Mensch für sich wissen.
Ab wann ist ein Foto „echt“?
Und da kommen wir zu meinem Problem! Ab wann sind Fotos echt? Wann ist der Punkt überschritten, dass man behaupten kann: „Ich selber habe das Foto gemacht“?
Wenn wir uns an die Analogfotografie zurückerinnern: Dort gab es kein Display, keine Vorschau und keine digitale Bearbeitung am Computer. Man hat seine Kamera eingestellt, den Auslöser betätigt und den Film zur Entwicklung eingeschickt/eingereicht. Niemand konnte mit Gewissheit sagen, was man zurückerhält. Das Entwickeln dauerte ein paar Tage oder sogar Wochen. Erst nach der Entwicklung konnte man sein Werk betrachten. Wenn etwas unscharf oder unterbelichtet war, gab es keine Möglichkeit, an diesem Bild noch was zu ändern – und das konnte je nach Qualität des Filmes extrem teuer werden. Man sollte sich also vor dem Auslösen im Klaren sein, dass sich das Bild lohnt und den eigenen Ansprüchen genügt. Nicht ohne Grund gehen viele Fotografen wieder zur Analogfotografie über.
Andere sagen: Es wird keine Bearbeitungssoftware benötigt. Ich kann meine Kamera so einstellen, dass ich das Bild „fertig“ aus der Kamera bekomme. Das heißt natürlich auch, dass man auf die richtigen Augenblicke warten muss!
Ich persönlich könnte das nicht. Ich habe überhaupt nicht die Geduld, zu warten, bis das Licht „perfekt“ ist. Auch kann ich keine drei Stunden an einer Stelle stehen, bis eine Wolke verschwunden ist, welche mir aktuell das Licht klaut. Auch kann ich nur bedingt warten, bis die Sonne so steht, dass ein „perfekter“ Schatten geworfen wird, welcher im besten Fall zu den anderen Formen auf dem Bild passt.
Kurz gesagt: Ich war sehr unzufrieden mit meinen Werken und werde es sicherlich auch noch weiter sein! Aber ich habe die Ambition, dieses Jahr durchzustarten und meine Kamera zu lernen und zu verstehen, meine Sinne zu schärfen und Bilder zu machen, welche meiner Zufriedenheit entsprechen! Ob es Ihnen dann auch gefällt, muss jeder für sich entscheiden – über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
Wie seht ihr das? Ab wann ist ein Foto „zu viel bearbeitet“? Und wo hört Fotografie auf – und wo fängt einfach nur noch Rechenleistung an?
